Lufthansa-Chef fordert Teststrategie für Luftverkehr


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Carsten Spohr im Interview : Lufthansa-Chef fordert Teststrategie für Luftverkehr

Im Luftverkehr Richtung USA oder Asien geht aktuell fast nichts. Lufthansa-Chef Carsten Spohr will das ändern und fordert im Interview die Zulassung von Schnelltests, um die Schäden durch Reisebeschränkungen einzudämmen. 

Felix Wadewitz

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen LufthansaFoto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Der interkontinentale Luftverkehr sollte nach Ansicht von Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr „möglichst bald wieder öffnen“, um die wirtschaftlichen Schäden durch die Reisebeschränkungen etwa in Richtung USA und Asien einzudämmen. Dafür brauche es „eine gezielte Teststrategie, also verbindliche negative Tests bei Abflug oder Rückkehr“, sagte Spohr dem Fachdienst „Tagesspiegel Background Verkehr & Smart Mobility“. „Mit Schnelltests, die jetzt in großen Stückzahlen auf den Markt kommen, könnten wir etwa wieder mehr Flüge nach Nordamerika ermöglichen – sobald die Behörden auf beiden Seiten des Atlantiks erlauben, dass negativ getestete Reisende wieder ins Land dürfen“, sagte der Lufthansa-Chef. „Wir würden gern so bald wie möglich mit den ersten Pilotstrecken starten.“

Er habe den Eindruck, „dass die Politik mit einer Art Slowdown einen echten Lockdown wie im Frühjahr abwenden will“, sagte Spohr weiter. Dabei gerate aber aus dem Blick, dass Flugreisen selbst in den Sommerferien einen sehr geringen Anteil an den steigenden Infektionszahlen gehabt hätten. Spohr: „Deutschlands Wohlstand und seine Stärke als führende Exportnation hängen zusammen. Deshalb ist es notwendig, interkontinentale Verkehrsströme möglichst bald wieder zu öffnen.“

Zur Kritik am Rettungspaket der Bundesregierung für den Konzern sagte Spohr: „Das Aktienpaket, das der Bund im Sommer erworben hat, ist im Vergleich zum Einstiegspreis aktuell drei Mal so viel wert.“ Weitere Hilfen werde die Lufthansa nicht brauchen. „Zu Beginn der Krise haben wir eine Million pro Stunde verloren; durch unsere Anstrengungen, Kosten zu senken, konnten wir diesen Wert inzwischen halbieren.“ Das Stabilisierungspaket werde demnach reichen, bis es zu einer Wiederbelebung des globalen Flugverkehrs kommt.

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